Hatha Yoga verstehen * praktizieren * verbinden


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  • Von Pommes, Sonnengrüßen und neuen Perspektiven

    Von Pommes, Sonnengrüßen und neuen Perspektiven

    Yoga lernen · 03

    Mein Weg durch die Yogalehrerausbildung

    Vier Wochen waren seit unserem ersten Ausbildungswochenende vergangen. Nun freute ich mich darauf, die anderen wiederzusehen und gemeinsam weiterzulernen.

    Am Freitag machte ich mich frühzeitig auf den Weg nach Straubing. Ich wollte vor dem Unterricht noch ein wenig durch die Altstadt bummeln, in Geschäften stöbern und irgendwo gemütlich etwas essen.

    Das Wetter spielte mit. Die Sonne schien, und ich genoss es, einfach einmal Zeit für mich zu haben.

    Aus meinem gemütlichen Stadtbummel wurde allerdings eine kleine Einkaufstour. Eine Tasche mit einer Yoga praktizierenden Katze, ein paar Kleidungsstücke, italienische Spezialitäten und ein ausgesprochen schöner Knoblauch wanderten in meine Einkaufstüten.

    Ja, auch ein Knoblauch kann schön anzusehen sein.

    Irgendwann meldete sich mein Magen und machte ziemlich deutlich, dass es Zeit für eine Stärkung wurde. Da am Nachmittag noch Yogapraxis auf dem Programm stand, wollte ich es mit dem Essen allerdings nicht übertreiben.

    Ich entschied mich für einen Salat mit Roter Bete und Ziegenkäse.

    Und Pommes.

    Schließlich wird man von Salat allein nicht unbedingt satt.

    Wenig später machte ich mich auf den Weg zur Yogaschule. Ich freute mich darauf, die anderen wiederzusehen, und wurde ebenso herzlich begrüßt wie beim ersten Ausbildungswochenende. Besonders schön war das Wiedersehen mit meiner Ausbildungspartnerin.

    Nachdem alle ihre Plätze eingenommen hatten, gab uns unsere Dozentin einen Überblick über das bevorstehende Wochenende.

    Ein besonderer Schwerpunkt sollte der Sonnengruß sein.

    Oh je. Mein Salat. Meine Pommes!

    Mehrfach nach vorne beugen, in den herabschauenden Hund wechseln und wieder aufrichten?

    Vielleicht waren die Pommes doch nicht meine allerbeste Idee gewesen.

    Wenn der Fuß seinen eigenen Kopf hat

    Dann ging es an die praktische Umsetzung.

    Der Sonnengruß stand auf dem Programm. Und zwar nicht nur einmal.

    Wir übten die einzelnen Bewegungen, achteten auf unsere Atmung und versuchten, beides miteinander zu verbinden. Was bei unserer Dozentin so leicht und fließend aussah, verlangte mir einiges an Konzentration ab.

    Besonders eine Bewegung hatte es in sich.

    Aus dem herabschauenden Hund sollte ich einen Fuß nach vorne zwischen meine Hände setzen.

    So weit die Theorie.

    Mein Fuß hatte allerdings andere Pläne. Er landete zuverlässig irgendwo auf halber Strecke.

    Nach mehreren Versuchen bat ich unsere Dozentin um Hilfe. Sie schaute sich meine Bewegung an, gab mir einen Tipp zur Gewichtsverlagerung und zeigte mir, dass ich den Fuß für das letzte Stück einfach mit der Hand nach vorne setzen konnte.

    So einfach konnte es sein!

    Humorvolle Zeichnung eines Yogamännchens, das beim Sonnengruß Schwierigkeiten hat, den Fuß zwischen die Hände zu setzen.

    Doch das eigentlich Bemerkenswerte an dieser Situation war für mich etwas ganz anderes.

    Ich hatte überhaupt kein Problem damit gehabt, vor den anderen zu zeigen, dass mir etwas nicht gelang. Ich hatte mich weder geschämt noch darüber nachgedacht, ob ich mich vielleicht ungeschickt anstellte.

    Ich wollte etwas lernen. Also hatte ich gefragt.

    Früher hätte ich mir vermutlich viel mehr Gedanken darüber gemacht, was die anderen von mir denken könnten.

    Diesmal nicht.

    Und darüber freute ich mich mindestens genauso sehr wie über meinen Fuß, der schließlich doch noch dort ankam, wo er hin sollte.

    Ganz nebenbei hatte ich auch etwas Wichtiges über Yoga gelernt: Nicht jeder Körper muss sich einer vorgegebenen Haltung anpassen. Manchmal genügt eine kleine Veränderung, damit eine Bewegung möglich wird.

    Bewegung beginnt im Kopf

    Am Samstag beschäftigten wir uns weiter mit dem Sonnengruß. Inzwischen waren mir die einzelnen Bewegungen schon etwas vertrauter geworden. Trotzdem hatte ich nicht damit gerechnet, dass uns unsere Dozentin gleich vor eine völlig neue Herausforderung stellen würde.

    Wir sollten den Sonnengruß noch einmal ausführen.

    Allerdings ohne uns zu bewegen.

    Wie bitte?

    Wir schlossen die Augen und stellten uns jede einzelne Bewegung nur in Gedanken vor. Das Heben der Arme, das Vorbeugen, den herabschauenden Hund und schließlich das Zurückkehren in den aufrechten Stand.

    Ich versuchte, mir den gesamten Ablauf so genau wie möglich vorzustellen.

    Und dann geschah etwas Erstaunliches.

    Obwohl ich mich keinen Zentimeter bewegte, hatte ich das Gefühl, mein Körper würde mitarbeiten. Die Übung fühlte sich auf eine überraschende Weise anstrengend an.

    Damit hatte ich wirklich nicht gerechnet!

    Unsere Dozentin erklärte uns, welche Rolle die Vorstellungskraft bei Bewegungen spielen kann. Dabei lernten wir auch den Ansatz von Eric Franklin kennen, der sich intensiv mit dem Zusammenspiel von Bewegung und mentalen Bildern beschäftigt.

    Mich ließ diese Erfahrung nicht mehr los.

    Ich dachte an Menschen, die aufgrund körperlicher Einschränkungen bestimmte Bewegungen nicht oder nur eingeschränkt ausführen können.

    Welche Möglichkeiten könnte ihnen eine solche Übung eröffnen?

    Natürlich ersetzt eine Bewegung in Gedanken nicht einfach jede körperliche Übung. Aber sie zeigte mir einen weiteren Weg, sich mit dem eigenen Körper und mit Bewegung zu beschäftigen.

    Und sie erinnerte mich an etwas, das mir für meine spätere Arbeit als Yogalehrerin besonders wichtig ist:

    Yoga soll für Menschen mit ganz unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen zugänglich sein.

    Am Freitag hatte ich erlebt, wie eine kleine Veränderung beim Sonnengruß helfen konnte.

    Am Samstag lernte ich, dass eine Bewegung nicht einmal unbedingt sichtbar sein muss, um zu einer interessanten Erfahrung zu werden.

    Wer hätte gedacht, dass ich ausgerechnet beim bewegungslosen Sonnengruß so viel über Bewegung lernen würde?

    Der Macher, der Wissende und der Genießer

    Neben den Körperübungen beschäftigten wir uns an diesem Wochenende auch mit einem Thema, das zunächst gar nicht so einfach zu greifen war: unserem Ego.

    Ego kommt aus dem Lateinischen und bedeutet zunächst einmal nichts anderes als „Ich“.

    Im Yoga begegnet uns in diesem Zusammenhang der Begriff Asmitā. Dabei geht es unter anderem darum, wie stark wir uns mit bestimmten Vorstellungen von uns selbst und mit unseren Rollen im Leben identifizieren.

    Unsere Dozentin stellte uns dazu drei unterschiedliche Ausprägungen vor: den Macher, den Wissenden und den Genießer.

    Und ich musste schmunzeln.

    Den Macher kannte ich nämlich ziemlich gut.

    Er organisiert, plant, kümmert sich und sorgt dafür, dass alles funktioniert. Wenn irgendwo etwas erledigt werden muss, ist er meistens schon unterwegs.

    Kommt mir bekannt vor.

    Auch der Wissende war mir nicht fremd. Ich möchte Dinge verstehen, hinterfrage gerne und gebe mich nicht immer mit der erstbesten Erklärung zufrieden.

    Und dann war da noch der Genießer.

    Den mochte ich auf Anhieb.

    Ich liebe gutes Essen, schöne Reisen, Musik und all die kleinen Dinge, die das Leben besonders machen. Eine gute Mahlzeit, ein schöner Ort oder ein Moment, in dem ich einfach nur dasitze und die Umgebung auf mich wirken lasse – dafür bin ich immer zu haben.

    Eigentlich.

    Denn während der Genießer noch überlegt, was ihm heute Freude machen könnte, hat der Macher häufig schon drei Aufgaben übernommen, zwei Probleme gelöst und die nächsten Tage durchgeplant.

    Da bleibt für den Genießer manchmal nicht besonders viel Zeit.

    Und genau darüber kam ich ins Nachdenken.

    Der Macher in mir war es gewohnt, Verantwortung zu übernehmen und für andere da zu sein. Das tat ich gerne. Aber wann hatte ich eigentlich zuletzt meine eigenen Bedürfnisse an die erste Stelle gesetzt?

    Mir wurde bewusst, dass ich das viel zu selten tat.

    Dabei sollte es doch genau andersherum sein: Erst wenn ich gut für mich selbst sorge, habe ich auch die Kraft, mich um andere zu kümmern.

    Plötzlich musste ich wieder an den Gedanken denken, mit dem meine Yogalehrerausbildung begonnen hatte:

    Diese Entscheidung ist nur für mich.

    Vielleicht war das nicht nur der Grund für meine Ausbildung, sondern auch eine Erinnerung daran, dass ich selbst in meinem Leben nicht immer an letzter Stelle stehen sollte.

    Wenn ich fahre, dann fahre ich

    Als ich am Samstagabend nach Hause fuhr, hatte ich wieder jede Menge neue Eindrücke im Gepäck.

    Mein Kopf war gut beschäftigt. Mit Sonnengrüßen, die offenbar auch ohne Bewegung anstrengend sein konnten, mit neuen Begriffen aus der Yogaphilosophie und vor allem mit einigen Gedanken über mich selbst.

    Im Unterricht hatten wir auch darüber gesprochen, wie schwer es uns manchmal fällt, wirklich bei dem zu bleiben, was wir gerade tun.

    „Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich koche, dann koche ich.“

    Das klang eigentlich ganz einfach.

    Nur musste ich bei diesem Gedanken an meinen eigenen Alltag denken.

    Selbst beim Kochen, das ich leidenschaftlich gerne mache, bin ich gedanklich oft schon bei den nächsten Aufgaben. Muss noch Wäsche gewaschen werden? Wann gehe ich mit den Hunden raus? Der Bügelkorb wartet auch schon wieder. Und die E-Mails wollte ich schließlich ebenfalls noch beantworten.

    Während ich also Gemüse schnipple, arbeitet mein Kopf längst die nächste To-do-Liste ab.

    Dabei hatten wir gelernt, dass dieses ständige gedankliche Hin- und Herspringen Konzentration kostet und zusätzlichen Stress verursachen kann. Sich bewusst nur einer Sache zu widmen, könnte also durchaus eine gute Idee sein.

    Und ausgerechnet auf meiner Heimfahrt bekam ich nun Gelegenheit, das auszuprobieren.

    Dichter Nebel lag über der Straße. Die Sicht war schlecht, und ich musste mich ganz auf das Fahren konzentrieren.

    Keine Einkaufslisten, keine unerledigten Aufgaben, keine gedanklichen Ausflüge.

    Nur die Straße, der Nebel und ich.

    Da musste ich wieder an unseren Unterricht denken.

    Wenn ich stehe, dann stehe ich.

    Wenn ich koche, dann koche ich.

    Und wenn ich fahre, dann fahre ich.

    Monotasking statt Multitasking.

    Für jemanden wie mich, der es gewohnt war, ständig mehrere Dinge gleichzeitig im Kopf zu haben, würde das eine echte Umstellung werden.

    Zwei intensive Ausbildungstage lagen hinter mir. Ich hatte wieder viel über Yoga und nicht minder viel über mich selbst erfahren.

    Und dann war da natürlich noch der Macher in mir.

    Der würde sich wohl erst daran gewöhnen müssen, dass nicht jede freie Minute mit einer Aufgabe gefüllt werden musste.

    Vielleicht sollte ich ihm künftig öfter einmal Feierabend verordnen.

    Und dem Genießer dafür eine Überstunde genehmigen.

  • Erst einmal ankommen

    Erst einmal ankommen

    Yoga lernen · 02

    Mein Weg durch die Yogalehrerausbildung

    Und dann stand ich tatsächlich in diesem Raum.

    Beim Betreten spürte ich sofort die neugierigen Blicke der anderen. Wahrscheinlich habe ich genauso neugierig zurückgeschaut.

    Gleichzeitig lag eine besondere Vorfreude in der Luft. Der Raum war schön vorbereitet. Yogamatten lagen bereits auf dem Boden, dazu eine liebevolle Dekoration. Man merkte, dass dieser erste gemeinsame Tag etwas Besonderes sein sollte.

    Meine Nervosität, von der ich im letzten Beitrag schon erzählt habe, legte sich ein wenig. Alle blickten freundlich, ich suchte mir einen Platz und kam ziemlich schnell mit meiner Nachbarin ins Gespräch.

    Die erste Hürde war damit genommen.

    Trotzdem war ich an diesem ersten Tag vor allem mit einem beschäftigt: ankommen.

    Mich zurechtfinden. Die Menschen um mich herum beobachten. Zuhören. Und mich auf die Vorgehensweise unseres Dozenten einstellen.

    Eine etwas andere Vorstellungsrunde

    Als alle da waren, begrüßte uns die Schulleiterin herzlich und gab uns zunächst einige grundlegende Informationen zum Unterrichtsablauf.

    Dann wurden wir dazu eingeladen, uns mit geschlossenen Augen im Kreis aufzustellen.

    Während wir dort standen, wurden in der Mitte des Kreises viele kleine Motivkarten auf dem Boden verteilt. Als wir die Augen wieder öffnen durften, sollte sich jeder ganz spontan für eine Karte entscheiden und sie aufheben.

    Was wir zunächst nicht wussten: Jedes Motiv gab es zweimal.

    Und damit hatten wir auch schon unseren Buddy gefunden.

    Der Buddy wird während der gesamten Ausbildung der engste Partner innerhalb der Gruppe sein und uns durch diese vier Jahre begleiten. Umso mehr habe ich mich gefreut, einen ganz liebenswerten Buddy gefunden zu haben.

    Dann bekamen wir jeweils fünf Minuten Zeit, einander von uns zu erzählen. Fünf Minuten nur ich, danach fünf Minuten mein Buddy.

    Was anschließend kam, fand ich besonders schön – und ziemlich lustig.

    Wir sollten unseren Buddy der Gruppe vorstellen. Allerdings nicht mit „Sie ist …“ oder „Er macht …“, sondern in der Ich-Form, als würden wir von uns selbst erzählen.

    Das erfordert erstaunlich viel Konzentration. Man rutscht nämlich schneller als gedacht wieder in die normale Erzählerrolle.

    Und es fühlt sich schon etwas merkwürdig an, vor einer Gruppe zu stehen und ganz selbstverständlich zu erzählen:

    „Ich habe zwei Töchter.“

    Vor allem, wenn man selbst eigentlich zwei Söhne hat.

    So wurde aus einer Vorstellungsrunde, vor der man normalerweise vielleicht ein bisschen angespannt ist, etwas sehr Lockeres. Wir haben gelacht und auf eine ungewöhnliche Art schon einiges voneinander erfahren.

    Gemeinsam üben, gemeinsam lachen

    Am nächsten Morgen ging es mit der Praxis weiter. Auf dem Programm standen verschiedene Yoga-Übungen (Asanas), manche davon durchaus anstrengend. Dabei beschäftigten wir uns auch intensiv mit der auf die jeweilige Übung abgestimmten Atmung.

    Ich merkte ziemlich schnell, dass diese Ausbildung nicht nur meinen Kopf beschäftigen würde. Auch meine Muskeln bekamen an diesem Vormittag einiges zu tun.

    Beim gemeinsamen Mittagessen wurde es dann wieder etwas entspannter. Die Gespräche kamen ganz von selbst, wir lachten viel und hatten einfach Spaß miteinander.

    Dabei merkte ich, dass ich mich in der Gruppe immer wohler fühlte. Es gab nicht diesen einen Moment, in dem plötzlich alles anders war. Es war eher das gemeinsame Üben, Lernen, Essen, Reden und Lachen.

    Und irgendwann war einfach dieses Gefühl da: Hier bin ich richtig.

    Nicht urteilen, sondern verstehen

    Was mich an diesem Wochenende besonders beeindruckt hat, war die Art, wie wir miteinander umgingen.

    Aus meinem beruflichen Umfeld kenne ich Workshops und Seminare natürlich auch. Dort ist unter Kollegen fast immer eine gewisse Rivalität zu spüren. Man beobachtet sich, vergleicht sich und manchmal wird auch ziemlich schnell bewertet.

    Hier erlebte ich etwas ganz anderes.

    Wenn jemand zu einem Thema unseres Dozenten eine Frage stellte oder etwas Persönliches erzählte, hatte ich nicht das Gefühl, dass darüber geurteilt wurde.

    Es wurde zugehört, nachgefragt und vor allem Verständnis gezeigt. Das hat mich nachdenklich gemacht – im positiven Sinne.

    Ich stehe mit meiner Ausbildung noch ganz am Anfang und werde in den kommenden Jahren sicherlich noch vieles darüber lernen, was Yoga über die Übungen hinaus bedeutet.

    Aber einen Gedanken nehme ich schon aus diesem ersten Wochenende mit:

    Nicht urteilen, sondern versuchen zu verstehen.

    Ich glaube, das ist etwas, das ich nicht nur durch meine Ausbildung, sondern auch durch mein weiteres Leben mitnehmen möchte.

    Ich freue mich, dich wiederzusehen

    Am Ende unseres ersten gemeinsamen Wochenendes sangen wir zusammen ein Mantra.

    Danach verabschiedeten wir uns voneinander, nahmen uns in den Arm und immer wieder hörte ich den Satz:

    „Ich freue mich, dich nächstes Mal wiederzusehen.“

    Und genauso ging es mir auch.

    Natürlich waren wir nach einem Wochenende noch keine eingeschworene Gemeinschaft. Dafür kannten wir uns noch viel zu wenig.

    Aber irgendetwas war in diesen beiden Tagen entstanden.Wir waren uns nicht mehr ganz fremd. Da war eine Herzlichkeit miteinander, die ich nach so kurzer Zeit nicht erwartet hätte.

    Als ich schließlich nach Hause fuhr, hatte ich unglaublich viele neue Eindrücke im Gepäck. Neue Menschen, neue Gedanken, viel Bewegung und die ersten kleinen Einblicke in das, was mich in den kommenden vier Jahren erwartet.

    Wie ich mich nach diesem Wochenende gefühlt habe?

    Eigentlich lässt sich das ziemlich einfach zusammenfassen:

    Mein Kopf hat gebrummt, meine Muskeln haben gejammert und meine Seele ist vor Freude gehüpft.

  • Diese Entscheidung ist nur für mich

    Diese Entscheidung ist nur für mich

    Yoga lernen · 01

    Mein Weg durch die Yogalehrerausbildung

    Vor 14 Tagen war es so weit. Mein erster Tag in der Yogalehrerausbildung.

    In der Nacht davor habe ich kaum geschlafen. Ich war unglaublich nervös, gleichzeitig neugierig auf die Menschen, mit denen ich die nächsten vier Jahre verbringen werde, und voller Vorfreude auf das, was vor mir liegt.

    Und jetzt sitze ich hier und beginne diesen Blog.

    Ich möchte in den kommenden Jahren über meine Ausbildung schreiben. Über das, was ich lerne und erlebe, über meine Gedanken und meine Fragen. Sicher auch über Dinge, die mich überraschen, begeistern oder an meine Grenzen bringen werden.

    Aus Fragen wurde eine Entscheidung

    Yoga begleitet mich schon länger. Und je länger ich mich damit beschäftigt habe, desto mehr Fragen sind entstanden.

    Was bewirken die einzelnen Übungen in unserem Körper? Welche Bedeutung hat die Atmung? Was steckt hinter all dem, was wir im Yoga praktizieren?

    Gerade die Atmung ist für mich zu einem wichtigen Thema geworden. Ich habe selbst erfahren, wie unglaublich wichtig die richtige Atmung ist.

    Irgendwann wollte ich nicht mehr nur wissen, dass etwas wirkt. Ich wollte verstehen, warum es so ist.

    Das entspricht wahrscheinlich einfach meinem Wesen. Wenn mich etwas interessiert, möchte ich es genauer betrachten und Zusammenhänge verstehen. Beim Yoga interessieren mich dabei nicht nur die körperlichen Aspekte. Gerade die Hintergründe und die Philosophie des Yoga faszinieren mich.

    Je mehr Fragen entstanden, desto deutlicher wurde mir: Ich möchte tiefer eintauchen.

    Yoga war für mich mehr als Bewegung

    Yoga war für mich in schwierigen Zeiten ein Anker, ein Helfer und auch ein Stück weit mein Seelenheil.

    Während meiner Yogapraxis waren meine Gedanken auf mich gerichtet. Für diese Zeit durfte anderes in den Hintergrund treten. Ich habe mir eine Auszeit für mich gegönnt und hatte das Gefühl, damit meinem Körper und meinem Geist etwas Gutes zu tun.

    Vielleicht ist auch daraus irgendwann der Wunsch entstanden, noch mehr über Yoga erfahren zu wollen.

    Trotzdem war die Entscheidung für eine vierjährige Yogalehrerausbildung nicht selbstverständlich.

    Mit 58 noch einmal vier Jahre Ausbildung?

    Ich bin 58 Jahre alt.

    Natürlich habe ich darüber nachgedacht, ob ich in diesem Alter tatsächlich noch einmal eine vierjährige und intensive Ausbildung beginnen möchte.

    Soll ich das wirklich noch machen?

    Meine Antwort darauf wurde irgendwann erstaunlich klar:

    Ja.

    Der wichtigste Grund dafür hat zunächst überhaupt nichts damit zu tun, später Yogakurse zu geben oder anderen Menschen etwas beizubringen.

    Ich mache diese Ausbildung in erster Linie für mich.

    Ich wollte etwas beginnen, von dem im ersten Schritt niemand anderes profitieren muss. Etwas, das ich nicht für irgendeinen Zweck mache, sondern weil ich es möchte.

    Weil ich neugierig bin. Weil ich lernen und verstehen möchte. Und weil ich weiß, dass mir diese Zeit unendlich guttun wird.

    Ich tue das für mich. Und das bin ich mir wert.

    Und dann ging es tatsächlich los

    Vor 14 Tagen begann die Ausbildung.

    Was mir vom ersten Tag besonders geblieben ist, ist die Stimmung in unserer Gruppe. Wir sind 25 Menschen mit unterschiedlichen Geschichten, aber wir haben für die kommenden Jahre ein gemeinsames Ziel.

    Das setzt eine unglaubliche Energie frei.

    Ich freue mich auf das gemeinsame Lernen mit meinen 24 Mitstudierenden, auf neue Erkenntnisse, neue Erfahrungen und auf ganz viel geballtes Wissen.

    Natürlich werden diese vier Jahre auch Herausforderungen mit sich bringen. Welche das sein werden, weiß ich heute noch nicht.

    Aber mein Ziel habe ich klar vor Augen.

    Irgendwann möchte ich das Wissen und die Erfahrungen, die ich in diesen Jahren sammeln werde, mit anderen Menschen teilen und etwas von meiner Begeisterung für Yoga weitergeben.

    Bis dahin darf ich erst einmal selbst lernen.

    Was ich mitnehme?

    Vielleicht muss man nicht immer fragen, ob es sich „noch lohnt“, etwas Neues anzufangen.

    Vielleicht darf die Frage manchmal einfach lauten:

    Möchte ich das für mich?

    Meine Antwort darauf war: Ja.

    Wenn ich diesen Beitrag nach dem Ende meiner Ausbildung noch einmal lese, werde ich 62 Jahre alt sein.

    Ich bin gespannt, wie ich dann auf meine Entscheidung zurückblicken werde.

    Ich hoffe, ich kann dann sagen:

    „Beste Entscheidung, die ich getroffen habe.“