Hatha Yoga verstehen * praktizieren * verbinden


Erst einmal ankommen

Heller, vorbereiteter Yogaraum mit ausgerollten Yogamatten, Bolstern und Yogablöcken

Yoga lernen · 02

Mein Weg durch die Yogalehrerausbildung

Und dann stand ich tatsächlich in diesem Raum.

Beim Betreten spürte ich sofort die neugierigen Blicke der anderen. Wahrscheinlich habe ich genauso neugierig zurückgeschaut.

Gleichzeitig lag eine besondere Vorfreude in der Luft. Der Raum war schön vorbereitet. Yogamatten lagen bereits auf dem Boden, dazu eine liebevolle Dekoration. Man merkte, dass dieser erste gemeinsame Tag etwas Besonderes sein sollte.

Meine Nervosität, von der ich im letzten Beitrag schon erzählt habe, legte sich ein wenig. Alle blickten freundlich, ich suchte mir einen Platz und kam ziemlich schnell mit meiner Nachbarin ins Gespräch.

Die erste Hürde war damit genommen.

Trotzdem war ich an diesem ersten Tag vor allem mit einem beschäftigt: ankommen.

Mich zurechtfinden. Die Menschen um mich herum beobachten. Zuhören. Und mich auf die Vorgehensweise unseres Dozenten einstellen.

Eine etwas andere Vorstellungsrunde

Als alle da waren, begrüßte uns die Schulleiterin herzlich und gab uns zunächst einige grundlegende Informationen zum Unterrichtsablauf.

Dann wurden wir dazu eingeladen, uns mit geschlossenen Augen im Kreis aufzustellen.

Während wir dort standen, wurden in der Mitte des Kreises viele kleine Motivkarten auf dem Boden verteilt. Als wir die Augen wieder öffnen durften, sollte sich jeder ganz spontan für eine Karte entscheiden und sie aufheben.

Was wir zunächst nicht wussten: Jedes Motiv gab es zweimal.

Und damit hatten wir auch schon unseren Buddy gefunden.

Der Buddy wird während der gesamten Ausbildung der engste Partner innerhalb der Gruppe sein und uns durch diese vier Jahre begleiten. Umso mehr habe ich mich gefreut, einen ganz liebenswerten Buddy gefunden zu haben.

Dann bekamen wir jeweils fünf Minuten Zeit, einander von uns zu erzählen. Fünf Minuten nur ich, danach fünf Minuten mein Buddy.

Was anschließend kam, fand ich besonders schön – und ziemlich lustig.

Wir sollten unseren Buddy der Gruppe vorstellen. Allerdings nicht mit „Sie ist …“ oder „Er macht …“, sondern in der Ich-Form, als würden wir von uns selbst erzählen.

Das erfordert erstaunlich viel Konzentration. Man rutscht nämlich schneller als gedacht wieder in die normale Erzählerrolle.

Und es fühlt sich schon etwas merkwürdig an, vor einer Gruppe zu stehen und ganz selbstverständlich zu erzählen:

„Ich habe zwei Töchter.“

Vor allem, wenn man selbst eigentlich zwei Söhne hat.

So wurde aus einer Vorstellungsrunde, vor der man normalerweise vielleicht ein bisschen angespannt ist, etwas sehr Lockeres. Wir haben gelacht und auf eine ungewöhnliche Art schon einiges voneinander erfahren.

Gemeinsam üben, gemeinsam lachen

Am nächsten Morgen ging es mit der Praxis weiter. Auf dem Programm standen verschiedene Yoga-Übungen (Asanas), manche davon durchaus anstrengend. Dabei beschäftigten wir uns auch intensiv mit der auf die jeweilige Übung abgestimmten Atmung.

Ich merkte ziemlich schnell, dass diese Ausbildung nicht nur meinen Kopf beschäftigen würde. Auch meine Muskeln bekamen an diesem Vormittag einiges zu tun.

Beim gemeinsamen Mittagessen wurde es dann wieder etwas entspannter. Die Gespräche kamen ganz von selbst, wir lachten viel und hatten einfach Spaß miteinander.

Dabei merkte ich, dass ich mich in der Gruppe immer wohler fühlte. Es gab nicht diesen einen Moment, in dem plötzlich alles anders war. Es war eher das gemeinsame Üben, Lernen, Essen, Reden und Lachen.

Und irgendwann war einfach dieses Gefühl da: Hier bin ich richtig.

Nicht urteilen, sondern verstehen

Was mich an diesem Wochenende besonders beeindruckt hat, war die Art, wie wir miteinander umgingen.

Aus meinem beruflichen Umfeld kenne ich Workshops und Seminare natürlich auch. Dort ist unter Kollegen fast immer eine gewisse Rivalität zu spüren. Man beobachtet sich, vergleicht sich und manchmal wird auch ziemlich schnell bewertet.

Hier erlebte ich etwas ganz anderes.

Wenn jemand zu einem Thema unseres Dozenten eine Frage stellte oder etwas Persönliches erzählte, hatte ich nicht das Gefühl, dass darüber geurteilt wurde.

Es wurde zugehört, nachgefragt und vor allem Verständnis gezeigt. Das hat mich nachdenklich gemacht – im positiven Sinne.

Ich stehe mit meiner Ausbildung noch ganz am Anfang und werde in den kommenden Jahren sicherlich noch vieles darüber lernen, was Yoga über die Übungen hinaus bedeutet.

Aber einen Gedanken nehme ich schon aus diesem ersten Wochenende mit:

Nicht urteilen, sondern versuchen zu verstehen.

Ich glaube, das ist etwas, das ich nicht nur durch meine Ausbildung, sondern auch durch mein weiteres Leben mitnehmen möchte.

Ich freue mich, dich wiederzusehen

Am Ende unseres ersten gemeinsamen Wochenendes sangen wir zusammen ein Mantra.

Danach verabschiedeten wir uns voneinander, nahmen uns in den Arm und immer wieder hörte ich den Satz:

„Ich freue mich, dich nächstes Mal wiederzusehen.“

Und genauso ging es mir auch.

Natürlich waren wir nach einem Wochenende noch keine eingeschworene Gemeinschaft. Dafür kannten wir uns noch viel zu wenig.

Aber irgendetwas war in diesen beiden Tagen entstanden.Wir waren uns nicht mehr ganz fremd. Da war eine Herzlichkeit miteinander, die ich nach so kurzer Zeit nicht erwartet hätte.

Als ich schließlich nach Hause fuhr, hatte ich unglaublich viele neue Eindrücke im Gepäck. Neue Menschen, neue Gedanken, viel Bewegung und die ersten kleinen Einblicke in das, was mich in den kommenden vier Jahren erwartet.

Wie ich mich nach diesem Wochenende gefühlt habe?

Eigentlich lässt sich das ziemlich einfach zusammenfassen:

Mein Kopf hat gebrummt, meine Muskeln haben gejammert und meine Seele ist vor Freude gehüpft.